Brut- und Setzzeit

Muss ich meinen Hund wirklich anleinen?

Was gibt es Schöneres, als den Hund endlich mal von der Leine lassen zu können? Gerade jetzt im Frühjahr gibt es so viel zu entdecken – für uns und unsere Vierbeiner. Und damit die Sonne und nicht die ganze Zeit aufs Dach brennt, spazieren wir gerne im Wald, wo es kühl und schattig und die Luft so herrlich frisch ist.

Eigentlich alles prima also, doch es gibt ein Problem: Genau jetzt beginnt die sogenannte Brut-und Setzzeit , also jene Zeit, in der das Wild seinen Nachwuchs bekommt und großzieht. Und dass sich Wild und Hund nicht immer perfekt vertragen (insbesondere bei Jagdhunden), muss hier sicher nicht extra betont werden.

Reine Schikane?

Jäger wissen das. Sie haben deswegen an vielen Feldwegen und Waldrändern Schilder aufgestellt, die Hundehalter zum Anleinen ihrer Lieblinge ermahnen. Viele Hundebesitzer interessiert das jedoch nicht, sie halten die Aufforderung eher für eine Schikane des Jägers oder Revierförsters. Also wird das Schild flugs ignoriert und mit dem Hund fröhlich leinenlos im Wald spaziert. Das geht auch meist gut – zumindest solange, bis der Hund die Fährte eines Wildtieres aufgenommen hat.

Was dann folgt, haben wahrscheinlich viele von uns schon einmal live erlebt (und anschließend verdrängt, damit sich der Puls beruhigt): Entweder entdeckt der Hund das Wild direkt und setzt ihm nach, oder er verfolgt die Fährte in freudiger Erwartung einer reichhaltigen Mahlzeit. Wie auch immer: er ist erstmal weg! Wenn du Glück hast, reagiert der Hund auf deine Befehle und kommt zurück. Was bis dahin geschieht, liegt allerdings nicht in deiner Hand. Oft ist der Jagdtrieb auch stärker als alle Befehle von Herrchen oder Frauchen.

Wildtiere in Todesgefahr

Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer (welch treffendes Wortspiel!). Selbst wenn der Hund das Wildtier nicht bekommt, jagt er ihm im wahrsten Sinne des Wortes einen Schreck fürs Leben ein. Ist das Tier in diesem Fall trächtig, kommt es nicht selten vor, dass es das ungeborene Baby verliert. Grund dafür ist der große Stress, den das Tier durch die Hetze erfährt. Hinzu kommt, dass trächtige Tiere (z. B. Rehe) deutlich langsamer sind und so auch durch Hunde gefährdet werden, vor denen sie normalerweise problemlos flüchten können.

Doch auch wenn der Nachwuchs bereits auf der Welt ist, ergeben sich durch die Hundehetze große Probleme. Viele verjagte und gehetzte Ricken kehren anschließend nicht mehr zu ihrem Nachwuchs zurück, so dass die Kitze mangels Nahrung keine Chance zum Überleben haben.

Wir sehen also: Die Schilder mit der Aufforderung „Hunde bitte anleinen“ sind nicht aus Schikane oder zum Spaß aufgestellt worden, sie haben durchaus ihren Sinn. Das Wild muss in der Brut- und Setzzeit geschützt werden, zum Wohle des Nachwuchses. Hinzu kommt, dass mittlerweile deftige Strafen verhängt werden, wenn der Halter seinen Hund trotz Verbotes ableint und es zu einem Zwischenfall kommt, bei dem Wildtiere geschädigt werden. Bis zu 10.000 Euro kann das Ganze kosten!

Sei also vernünftig und leine deinen Hund in der Brut-und Setzzeit an – zum Wohle aller Lebewesen!

Die Brut- und Setzzeit ist in den Bundesländern unterschiedlich, erkundige dich also in deinem Bundesland nach der Dauer, welche vom 15.März/01.April bis zum 15.Juli jeden Jahres gehen kann.